Urlaub in MeckPomm – Das Bundesland der Mittelmäßigkeit

Im Dezember 2022 und im März 2023 waren wir in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs. Wir finden es immer spannend, wie Urlaub in Deutschland sich im Vergleich mit internationalen Reisezielen so schlägt. Für MeckPomm können wir als Fazit ziehen: leider nicht mehr als Mittelmaß.

Hier folgen unsere Reiseziele vom enttäuschendsten zum annehmbarsten sortiert:

#4 Wismar – Die Untote

Wismars Altstadt ist Unesco-Weltkultur Erbe und wartet mit allerlei historischen Gebäuden auf. Einen Hafen gibt es auch und nicht zu vergessen: hier wurden wesentliche Teile von Nosferatu gedreht; DEM Stummfilmklassiker aus Deutschland. Da müsste man doch was draus machen können. Denkt man sich …

Aber Fehlanzeige. Die Realität ist ernüchternd. Die Altstadt steht halt. An einigen Häusern finden sich winzige Info-Tafeln, aber das wars.

Der Hafen ist langweilig.

Und der größte Faux Pas: Wo sind die Stadtführungen rund um Nosferatu? Abendliche Führung mit einem Guide als Vampir verkleidet, das wäre es doch. Wir haben uns dann mit einer Online-Führung beholfen, die man sich aufs Smartphone laden kann.

Erstellt wurde sie von einer Privatperson, die hier ebenfalls eine Lücke gesehen und mit Liebe Informationen zum Film und Wismar zusammengestellt hat. Interessantes Tourismuskonzept, liebes Wismar …

Es gibt (angeblich, wir haben es nicht getestet) ein gutes Restaurant in Wismar, der Rest ist entweder Kette oder langweilig ohne jede Inspiration und dafür auch nicht gerade günstig. Und wenn man nicht essen gehen will, dann findet man in der Innenstadt genau einen fußläufigen Supermarkt.

Was bleibt? Positiv zu erwähnen sind unser Hotel, dass sehr nett modernisiert und hergerichtet wurde sowie das neue Café Öxl, in dem wir erstaunlich guten Kaffee bekommen haben.

Langeweile-Bonus:

Unweit von Wismar liegt die Insel Poel, der wir ebenfalls einen Besuch abgestattet haben. Klar, keine Saison bedeutet, es war sehr ruhig.

Aber irgendwie trotzdem zu ruhig. WCs? Geschlossen, denn wie wir alle wissen, müssen Menschen nur im Sommer auf Toilette. Läden? Geschlossen … vielleicht? Es stellte sich raus, dass der eine oder andere Laden gar nicht geschlossen war, sondern nur so aussah. Kein Licht an, keine Aufsteller draußen, geschlossene Tür und dann sieht man im Vorbeigehen noch, dass hinter dem Tresen eine gelangweilte Person ihr Zeit verbringt. So holt man sich keine Kundschaft rein. Das einzig Aktive auf der Insel Poel ist das Ordnungsamt, das sofort auf allen Parkplätzen zur Stelle ist und Zettel verteilt.

#3 Rostock – Die Geschichtsvergessene

Rostock ist größer als Wismar und hat eine Uni, da sollte doch was gehen.

Denkt man. Und ganz falsch ist das auch nicht. Auch im Winter kann man Hafenrundfahrten machen und so erfahren, was gerade die Themen in Rostock sind (Schließung der letzten Werften, Verkauf an ausländische Investmentfirmen, wie spielt Hansa Rostock etc.)

Weil hier Student*innen leben, gibt es auch ein paar nette Cafés, wie z. B. die Baltic Brothers

und die KTV (Kröpeliner Tor Vorstadt) sieht nach einem netten, jungen Viertel aus.

Das Schifffahrtmuseum ist interessant und den Besuch wert.

Und dann ist da ja noch Warnemünde, der eingemeindete Fischerort am Hafen von Rostock. Super mit der S-Bahn zu erreichen. Süß und klein, so wie man sich einen Fischerhafenort an der Ostsee so vorstellt.

Doch auch hier stellt sich schnell Langweile ein. Es ist nichts los, keine Ideen, keine Abwechslung. Ob man sich sein Backfischbrötchen nun bei Backfisch-Mike oder Backfisch-Ingo kauft … am Ende auch egal.

Doch etwas anderes hat uns in Rostock irritiert und bringt die Stadt auf den vorletzten Platz unserer Liste und das ist der Hauch von Geschichtsvergessenheit, der uns begleitet hat.

Schon während der Hafenrundfahrt kam das Thema des ehemaligen Flughafens zur Sprache und wurde dann bei unserem Besuch im Schifffahrtsmuseum von Rostock (auch so ein verschenktes Potenzial …) weiter vertieft. In Rostock gab es nämlich mal eine Luftfahrtindustrie. Hier wurden Flugzeuge gebaut, unter anderem … Und diese Tatsache betont man hier gern und trauert der guten alten Zeit nach. Die gute alte Zeit bedeutet: Rüstung, Nazis und Zwangsarbeit. Oder wie man in Rostock sagen würde: technologischer Fortschritt, Pioniere der Luftfahrt und gute Zusammenarbeit. Der unschöne historische Kontext wird maximal gestriffen. Zwangsarbeit wird gar nicht thematisiert. Die NS-Vergangenheit der sogenannten “Pioniere” wird umschifft (Achtung Wortwitz!) und stattdessen positiv erwähnt, dass sie auch nach 1945 einfach wieder in der Industrie tätig werden konnten. Entnazifizierung, war da was?

Ähnlich enttäuschend verhält es sich mit einem nicht ganz soweit zurückliegenden Ereignis in Rostock. Dem Pogrom vom August 1992 in Rostock-Lichtenhagen. Damals griffen hunderte Rechtsextreme die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber*innen und ein dazugehöriges Wohnheim an und setzen es in Brandt. Viele Bewohner*innen Rostocks machten ein Volksfest draus, inklusive Grill und Bier. Die Polizei griff nicht ein, die Medien hetzten gegen Geflüchtete und in der Politik wurde das Ganze genutzt, um 1993 das Grundrecht auf Asyl mehr oder weniger abzuschaffen.

Das Sonnenblumenhaus, in dem sich die Behörde befand, steht wie eh und je und davor findet sich eine von 6 in der Stadt verteilten Säulen des Projektes Rostock-Lichtenhagen-1992 des Künstler*innenkollektivs SCHAUM. Die anderen 5 Säulen stehen u. a. vor dem Rathaus, dem Sitz der Ostsee-Zeitung und der Polizei und sollen darauf hinweisen, wie staatliche Organe, die Medien und die breite Öffentlichkeit ihren Anteil an der Eskalation hatten.

Das wissen wir, weil wir uns vorab informiert haben. Nicht, weil diese Informationen irgendwo zur Verfügung gestellt werden. Keine Infotafeln weit und breit. Wozu auch. Laut Verfassungsschutz sind in Deutschland 2020 20.201 Straftaten mit rechtem Hintergrund verübt worden (mehr als 55 am Tag). Die Behörde zählt außerdem mindestens 13.500 gewaltorientierte Rechtsextremist*innen. Wir haben eine rechte Partei im Landesparlament in Mecklenburg-Vorpommern wie auch im Bundestag sitzen. Da wäre vielleicht ein bisschen Selbstkritik und Aufarbeitung hilfreich, aber das stört halt die gute Laune. Dann doch lieber Störtebeker und gut ist.

#2 Schwerin – Die Nette

Was kann man über Schwerin sagen? Schöne Stadt, sehr hübsches Schloss, ein bisschen Abwechslung bei den Läden in der Altstadt, nette Menschen (zumindest die, mit denen wir es zutun hatten).

Aber auch hier beschleicht einen sehr schnell ein Gefühl von Langeweile und Uninspiriertheit.

Das Ganze gipfelte in unserem Besuch im Weinhaus Uhle, einer der besseren Adressen in der Stadt. Das Essen war die Quintessenz unseres Besuchs: lokal und saisonal, handwerklich gut zubereitet, aber so ohne jegliche Kreativität, dass es traurig ist.

#1 Rügen – Hübsch hier

Rügen im Winter? Das kann ja nichts werden, oder? Nicht ganz und trotz denkbar schlechter Ausgangsbedingungen (Zwischensaison, Winterwetter) schafft es Rügen auf Platz eins unserer Liste. Ja, viel los ist hier kurz vor Silvester auch nicht und ja, vielleicht hat uns auch nur die verschneite, winterliche Landschaft milde gestimmt.

Trotzdem hatten wir hier wenigstens das Gefühl, dass man Gäste will und sich auf sie einstellt. Es gibt ein Tourismus-Konzept, dass in einer sehr schön aufgemachten Broschüre nachvollziehbar ist. Nur ein paar mehr Ladestationen könnte es geben…

Sei es unser Spaziergang zum Jagdschloss Granitz,

oder im Seebad Sellin (mit heißem Sanddorn zum Aufwärmen danach)

oder unser Besuch am Kap Arkona. Es war wirklich entspannt und hübsch auf Rügen.

Unser Hotel können wir ebenfalls uneingeschränkt empfehlen, genauso wie das Restaurant Freustil in Binz, das alles das richtig macht, was uns in Rostock, Schwerin und Wismar gefehlt hat.

Unser Fazit: An der Ostsee sein, ist schon cool.

Es gibt viele hübsche Orte in Mecklenburg-Vorpommern, aber innere Werte zählen halt auch und da fehlt es an Kreativität, Wille und Innovation. Denn wie es besser geht, haben wir wenig später am anderen Ufer der Ostsee in Nordseeland feststellen können.