Das System ist kaputt – Urlaub auf Bali, Indonesien

Endless Summer of 2019 – nachdem wir uns bereits im März die ersten warmen Temperaturen und Sonnenstrahlen in Tunesien abgeholt haben, endete unser Sommer dieses Jahr erst Mitte Oktober nach 2 Wochen auf Bali. Ein spannender Urlaub mit jeder Menge Erlebnissen liegt hinter uns.

Vorweg genommen: es war ein schöner Urlaub, aber … zwischen allen tollen Erfahrungen gab es auch nicht wenige Schattenseiten und unschöne Momente. Damit reiht sich dieser Urlaub in unsere anderen Reisen dieses Jahr ein, die uns geholfen haben, noch einmal besser zu verstehen, was uns wichtig ist, wenn es ums Verreisen geht. In diesem ersten Teil stellen wir euch unsere drei Stationen vor und teilen unsere Gedanken rund um einen Urlaub auf Bali. Im zweiten Teil folgt dann wie immer die Liste der von uns gut befunden Aktivitäten, Restaurants und natürlich Quellen für guten Kaffee.

Zu Besuch auf Bali

Bali ist eine der über 17.000 Inseln Indonesiens und besitzt eine faszinierende Kultur und Geschichte. Als Urlaubsdestination hatte die Insel ihre erste Blütezeit bereits in den 1920er und 1930er Jahren, als auch viele Künstler und Schriftsteller nach Bali gekommen sind. Das Europäer zu diesem Zeitpunkt bereits ein Auge auf die Insel geworfen haben, liegt natürlich an dem vielleicht entscheidendsten Einflussfaktor auf die Region überhaupt: dem Kolonialismus. Und genau so, wie der Tourismus in Wellen nach Bali kam (die 2. große Welle waren Hippies und Surfer ab den 1960ern und nun seit einigen Jahren Australier, Amerikaner, Europäer und zuletzt Chinesen) hat es sich auch mit der Kolonialisierung und ihren kulturellen Auswirkungen verhalten.

Man nimmt an, dass Bali seit ca. 1.500 v. Chr. besiedelt war. Etwa 3.000 Jahre später erlebte die Bevölkerung dann das erste Mal eine massive Einflussnahme von Außen, als die von der Islamisierung aus Java verdrängte Aristokratie nach Bali kam. Neben einer neuen Verwaltungsstruktur aus einzelnen kleinen Königreichen, kam auf diesem Weg auch der hinduistische Glaube und eine indisch-inspirierte Kultur auf die Insel, die bis heute Bestand haben, während der Rest Indonesiens den Islam als Mehrheitsreligion hat.

Der Glaube ist in Bali allgegenwärtig und so selbstverständlicher Teil des Alltags, wie man es selten erlebt. Es gibt allein rund 20.000 registrierte Tempel. Hinzu kommen die unzähligen Familienschreine, denn jedes Grundstück beherbergt einen Schrein, der entweder einen nicht unwesentlichen Anteil am Grundstück einnimmt oder – platzsparender – auf dem Dach des Wohnhauses eingerichtet wird.

Jeden Morgen und Abend werden kleine Opfergaben am Hauseingang, am Eingang zur Einfahrt, auf Motorrädern usw. verteilt, mit denen den Göttern, guten Geistern und Ahnen geopfert wird. Bunte Blumen symbolisieren die hinduistische Dreifaltigkeit: Brahma, Shiva und Vishnu – und dazu gibt es alles, was Geistern scheinbar gut schmeckt: Reis, Kaffee, Cracker und hin und wieder auch mal eine Zigarette. Nicht fehlen dürfen Räucherstäbchen. Ihr Geruch, im Zusammenspiel mit dem Duft der Frangipani-Blüten, sorgt dafür, dass es auf Bali immer gut riecht.

In das System des königlich organisierten Bali, mit seinen Fürsten, seinem Kastensystem (welches bis heute existiert), seinen Leibeigenen und Sklaven, brach ab 1846 eine zweite Welle der Einflussnahme von Außen herein. Die Niederländer vereinnahmten die Insel als Kolonie. Einige der lokalen Fürsten verweigerten die Unterwerfung und begangen mit ihren Hofstaaten Massenselbstmord, dem circa 4.000 Balinesen zum Opfer fielen. Die Kolonisierung brachte vielerlei Veränderungen mit sich, von einer veränderten, europäisierten Verwaltung, hin zu einem Schulsystem nach europäischem Vorbild, Wörter und Begrifflichkeiten, die aus dem Niederländischen übernommen wurden und auch eine Veränderung im Glaubenssystem, die bis heute Auswirkungen hat. Die Niederländer kannten den Hinduismus bereits aus Indien und erlaubten den Balinesen daher eine „offizielle“ Ausübung, die allerdings die lokalen Besonderheiten nicht berücksichtige. So haben die Balinesen, neben den hinduistischen Manifestationen der göttlichen Kraft in Form einer der vielen Gottheiten, immer auch ihre Ahnen verehrt. Stirbt ein Familienmitglied, so braucht es eine detailreiche Beerdigungszeremonie inklusive Einäscherung, die es der Seele erlaubt, sich komplett vom Körper zu lösen und in göttliche Sphären aufzusteigen. Ist das vollbracht, können die Vorfahren angebetet und angerufen werden, um der Familie Glück und Wohlstand zu garantieren. Je mehr aber der Glaube sich ausschließlich auf die 3 Hauptgottheiten des Hinduismus fokussiert, desto weniger Platz bleibt im Pantheon für Oma und Opa und die Praxis der Ahnenverehrung verschwindet zusehends – und mit ihr eine kulturelle Praktik, die maßgeblich auf den Familienzusammenhalt Einfluss hat. Nach wie vor gibt es auf Bali große Familienclans, die in Kasten organisiert sind. Aber diese Struktur löst sich zusehends auf und verändert die Identität der Balinesen, die wie viele andere Gesellschaften auf der Welt versuchen, innerhalb der Globalisierung, eine gemeinschaftsstiftende Kultur zu erhalten, die den Kontakt zur Tradition und Vergangenheit bewahrt und gleichzeitig den neuen Gegebenheiten gewachsen ist.

All das muss einen als Tourist überhaupt nicht interessieren, dann man kann auf Bali sehr gut Urlaub machen, ohne überhaupt mit Kultur und Geschichte in Kontakt zu kommen. Und das sagt auch schon einiges darüber aus, wie der Tourismus und die Touristen hier so funktionieren.

In Canggu

Wie wir feststellen sollten, haben wir aber unseren Besuch auf Bali in Hinblick auf kulturelle Ereignisse zeitlich gut gelegt. Der balinesische Kalender zählt 210 Tage und endet/beginnt mit einer großen Zeremonie in den wichtigen Tempeln der Inseln, die wir an vielen Orten miterleben konnten. Genau einen solchen Tempel hatten wir zum Beispiel direkt gegenüber unserer 1. Unterkunft in Canggu und konnten daher mitverfolgen, wie sich die Balinesen auf ihren Festtag vorbereitet haben.

Die meisten Besucher Canggus zählen aber wahrscheinlich zu jenen Touristen mit andere Absichten, als sich mit kulturellen Besonderheiten auseinander zu setzen. Canggu ist ein Bade- und Surfort an der Südwestküste und eine Erweiterung der dort bereits bestehenden Urlaubsorte wie Kuta und Seminyak. Canggu bietet dabei alles, was die globalen Touristen von heute wollen: sportliche Betätigung, gesundes Essen, abwechslungsreiches Nightlife, jede Menge Wellness-Angebote und Shoppingmöglichkeiten.

Es wird auch aktuell fleißig gebaut, so dass Canggu in den kommenden Monaten und Jahren noch wachsen und weitere Gästehäuser und Cafés hinzubekommen dürfte. Hotels findet man hier aktuell noch sehr wenige und eher kleinere Häuser, mit einem gewissen Anspruch an Individualität, wie zum Beispiel The Slow, dass leider in unserem Reisezeitraum schon ausgebucht war, aber in dem wir zumindest das Restaurant getestet haben.

Wir haben in der Lila Boutik Residence übernachtet und waren sehr zufrieden.

Das System ist kaputt Teil 1 – Umweltschutz und Nachhaltigkeit

In Canggu ist ein Thema bereits allgegenwärtig: Nachhaltigkeit und damit verbunden, die Auswirkungen des Tourismus auf die Umwelt Balis – und diese sind enorm. Laut einiger Schätzungen kommen aktuell bereits auf jedes balinesische Dorf 7 Hotels und der Bauboom neuer Unterkünfte ist noch lange nicht am Ende. Die Konsequenzen sind wenig überraschend: der Verbrauch von Frischwasser übersteigt bereits jetzt schon weit die vorhandenen Reserven. Auf 8 großen Müllhalden versucht man den entstandenen Abfall zu sammeln aber die Kapazitäten reichen bei Weitem nicht aus. Deshalb stören Müllansammlungen auch immer wieder die romantische Kulisse und irritieren nicht nur die Touristen.

In einigen Teilen der Bevölkerung entsteht gerade ein neues Bewusstsein für die Schäden an der heimischen Natur, die die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre nach sich gezogen hat. Es werden Strände gereinigt, Mülltrennung etabliert und besonders in Orten wie Canggu versucht man auf möglichst viel Einwegplastik zu verzichten. Trinkhalme sind aus Metall oder Bambus, Einweg-Kaffeebecher gibt es kaum noch und Gästehäuser bieten ihren Gästen die Möglichkeit, ihre Wasserflaschen nachzufüllen, um den Kauf von Plastikflaschen zu reduzieren.

Wie wir im Rahmen eines interessanten Vortrags bei den TED-Talks in Ubud erfahren haben, hat das wachsende Bewusstsein für Umweltschutz für viele Balinesen eine unmittelbare und wiederentdeckte Verbindung zu ihren kulturellen Traditionen. Wer auf der einen Seite die Göttin Dewi Sri anbetet, um für eine gute Reisernte zu bitten, der kann dann auf der anderen Seite eigentlich sein Reisfeld nicht bewusst verschmutzen. Und so organisieren sich auch kleine Dorfgemeinschaften im globalen Kampf gegen den Klimawandel und greifen dabei auf ein althergebrachtes Verständnis vom Zusammenspiel von Mensch und Natur zurück, dass scheinbar nur etwas in Vergessenheit geraten war, als die sogenannte „Zivilisation“ in Bali Einzug gehalten hat. Dieses Bewusstmachen hat auch weitere positive Auswirkungen. Zum Beispiel befindet sich die Praktik der Kaffeeproduktion mit „Hilfe“ von Katzen langsam auf dem Rückzug. In Canggu zum Beispiel dürfte kein ernstzunehmendes Café mehr auf die Idee kommen, diese Art von Kaffee anzubieten, denn Nachhaltigkeit und Tierquälerei passen nicht so gut zusammen, mal ganz davon abgesehen, dass der Prozess zur Herstellung des Luwak Kaffees nachweislich keinen positiven Einfluss auf den Geschmack hat.

Doch natürlich ist es nicht ganz so einfach und die Balinesen schauen jetzt nicht fröhlich und gemeinsam einer umweltbewussteren Zukunft entgegen. Aktuell sind die meisten Initiativen nämlich ausschließlich zivilgesellschaftlich. Die indonesische Regierung hat zwar ein Verbot für Einweg-Plastiktüten erlassen, aber darüber hinaus gibt es kaum staatliche Anstrengungen, an der aktuellen Situation irgendetwas zu verbessern. Das schürt den Frust der Bevölkerung.

Gleichzeitig sind nicht plötzlich alle Balinesen zu Umweltschützern geworden, vor allem nicht diejenigen, die sich ihr täglich Brot mit Dingen verdienen müssen, die das nicht zulassen. Die Balinesen kehren zwar generell sehr gut vor ihrer eigenen Tür – im wahrsten Sinne des Wortes – aber nicht vor der nebenan. Und man darf auch nicht vergessen, dass sich nicht jeder Tourist dafür interessiert, ob sein Trinkhalm nun aus Plastik ist oder was mit dem von ihm oder ihr produzierten Müll passiert. Gerade in dieser Hinsicht ist Canggu sicherlich eine „Oase der Erweckten“ im Vergleich mit vielen anderen Regionen Balis.

Auch wir haben uns vor diesem Urlaub noch mal mehr als sonst Gedanken darüber gemacht, was wir anders und besser machen können. Wasserflaschen gehören inzwischen auch zu unserem festen Repertoire und unsere Kosmetiktaschen beinhalten Nachfüllbehälter, Sonnenmilch ohne Mikroplastik und Zahnbürsten aus pflanzenbasierten Materialien. Und wer erst vor Ort Interesse an nachhaltigeren Alternativen bekommt – kein Problem – es gibt genügend Geschäfte, die Bio-Kosmetik, Bambuszahnbürsten und Ähnliches anbieten.

 

In Ubud

Nach Strandfeeling in Canggu führte uns unser zweiter Stop nach Ubud, dem kulturellen Zentrum Balis.

Ubud ist wesentlich größer und trubeliger als die meisten anderen Touristenziele auf Bali und die Stadt hat das, was man klassischer Weise als Sehenswürdigkeiten bezeichnen würde, so wie den Palast von Ubud, den großen Saraswati Tempel im Zentrum und auch einige Museen und ist gleichzeitig ideal, um von hier aus Ausflüge zu unternehmen.

Auch kulinarisch spielt Ubud in einer anderen Liga. Hier befinden sich einige hervorragende Restaurants – dazu mehr im 2. Teil unseres Berichts. Auch in Ubud – das sicherlich ein Must-Have für jede Bali-Reise ist – gibt es eine unendliche Anzahl an Gästehäusern und auch einige Hotelanlagen. Hier dürfte also jeder irgendwie unterkommen.

 

Das System ist kaputt Teil 2 – Auf der Suche nach Spiritualität

Ubud hat noch eine weitere Besonderheit: viele Besucher kommen hierher, auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung. Das gibt es zwar auch in anderen Gegenden Balis, aber in Ubud ist die Anzahl der westlichen Touristen auf Erleuchtungstour noch einmal wesentlich höher. Und so sieht man sie dann mit ihren frischen Mandala-Tattoos, wie sie sich ketongen ernähren und sich in hinduistischen Zeremonien „reinigen“.

Ebenfalls im Rahmen der TED-Talks in Ubud fiel die Beschreibung: Bali ist die Heilstätte der Welt. Und tatsächlich kennen die Balinesen schon lange einige gesundheitsstiftende Praktiken, die inzwischen global zu Trends für den gesunden Lifestyle geworden sind. Das geht bei Yoga los und endet dabei, Tonics und Kombucha zu trinken, um das Immunsystem und die Darmflora gesund zu halten. Der unangenehme Beigeschmack, den wir mitgenommen haben, hatte aber nichts mit Kurkuma im Kombucha zu tun.

Zum einen setzen wir uns auch regelmäßig mit der Frage auseinander, was in unserem (Arbeits-)Leben falsch läuft, wenn man permanent damit beschäftigt ist, dessen negative Auswirkungen auf Körper und Geist zu kompensieren. Zum anderen ist allerdings zu bezweifeln, ob 2-3 Wochen auf Bali mit Diäten, körperlicher Askese und kultureller Aneignung von spirituellen Praktiken, irgendetwas am eigenen Alltag ändern.

Diese Feststellung ist natürlich ein bisschen heuchlerisch, denn auch wir haben vom Kombucha gekostet, mehrmals Yoga gemacht und uns weitestgehend vegetarisch/vegan ernährt. Das unterscheidet sich aber nicht viel von dem, was wir auch Zuhause machen und wir sind uns darüber im Klaren, dass nichts davon Wundermittel sind, die uns plötzlich mehr Sinn im Leben verschaffen. Mein Verständnis hört aber definitiv auf, wenn ich westliche Touristen in balinesischen Wassertempeln stehen sehe, die sich dort rituellen Waschungen unterziehen, auch wenn sie weder den hinduistischen Glauben teilen noch sich damit tiefer auseinandergesetzt haben. Kulturelle Aneignung als Urlaubserlebnis ist mit Sicherheit schlecht fürs Karma.

In Sanur

Nach Surfer-Atmosphäre und kultureller Vielfalt kommt … leider nicht mehr viel Gutes. Unser dritter und letzter Stop führte uns an die Südost-Küste nach Sanur und damit in die Abgründe des konventionellen Tourismus.

Sanur ist ein Badeort, wie es ihn überall auf der Welt gibt. Die Stadt hat noch nicht mal einen besonderen „balinesischen“ Charakter. Es gibt eine Strandpromenade und eine größere Straße mit Geschäften und Restaurants. Dazwischen liegen weitläufige Hotelanlagen und am Strand sind die Hotelabschnitte in wesentlich besserem Zustand als die öffentlichen Bereiche. Die Touristen hier scheinen sich entsprechend auch wenig für Land und Leute zu interessieren. Man will einfach nur Urlaub machen.

Nicht so unser Ding, was dazu geführt hat, dass wir uns zeitweise einfach nur in unsere Villa zurückgezogen haben, die allerdings wirklich schön und gemütlich war.

Ansonsten haben wir von hier aus noch 2 Ausflüge gemacht: einmal auf die Inseln Nusa Lembongan und Nusa Ceningan (empfehlenswert) und einmal in die Hauptstadt Balis nach Denpasar (nicht notwendig).

 

Das System ist kaputt Teil 3 – Massentourismus als Einkommensquelle für eine ganze Insel

Ganz Bali ist voll mit Touristen. Auf die rund 4,5 Millionen Einwohner kommen aktuell auch circa 4,5 Millionen Touristen jedes Jahr und nein, die verlaufen sich eindeutig nicht. Sanur ist dabei einer der Orte, in denen sich der Tourismus von seiner unangenehmsten Seite zeigt, denn was uns am meisten gestresst hat: man hat keine 5 Minuten seine Ruhe. Auf aufdringlichste Weise wird man permanent belästigt und genötigt, Taxi zu fahren, einen Sarong oder eine Handtasche zu kaufen oder irgendetwas zu Essen und zu Trinken. Auch in den anderen Orten Balis hat man das Gefühl, die Cash Cow zu sein, die es auszunehmen gilt – und klar, dafür ist man als Tourist ja auch da. Um Sehenswürdigkeiten gegen Eintritt zu besichtigen, Ausflüge mit privaten Fahrern zu machen, in Restaurants zu gehen und Souvenirs zu kaufen. Aber in Sanur ist darum herum kein Urlaub mehr möglich, oder zumindest nichts, was Urlaub für uns ausmacht.

Warum das so ist, ist wiederum auch leicht zu erklären: auf Bali gibt es Tourismus und Landwirtschaft – mehr gibt das Wirtschaftssystem nicht her. Und am Tourismus will und muss letztlich jeder verdienen, wenn es sonst keine Einnahmequellen gibt. Das Ergebnis: es gibt zu viele Taxifahrer und nicht genug Kundschaft; zu viele Souvenirläden mit den immer gleichen Produkten von schlechter Qualität; zu viele Warungs, in denen die Qualität des Essens nicht besser wird, wenn den ganzen Tag nur eine Handvoll Touristen vorbeikommt.

Woher dieser Mangel an Diversität in den touristischen Angeboten kommt, können wir nur spekulieren, aber vermutlich haben zwei Faktoren darauf maßgeblich Einfluss. Erstens hat sich der Massentourismus in Bali in einer sehr hohen Geschwindigkeit und damit ohne Sinn und Richtung entwickelt. Und wenn sich ein Gästehaus rechnet, warum sollten es nicht auch zehn andere tun. Oder 100 Warungs, oder 1000 Wäschereien und das zigste Massagestudio ohne jeden Charme. Irgendein Tourist wird schon kommen. Das Problem dabei: die Preise werden immer weiter gedrückt und immer mehr Balinesen verdienen immer weniger am Tourismus, obwohl es davon immer mehr gibt. Jetzt könnte man sich fragen: warum machen alle das Gleiche und wundern sich dann, dass das keiner will? Nun, zum einen gibt es auch auf Bali genügend Touristen, denen Qualität bei Dienstleistungen, Souvenirs oder Essen nicht besonders wichtig zu sein scheint und zum anderen – und hier lehnen wir uns weit aus dem Fenster – haben wir uns gefragt, ob das was mit dem gesellschaftlichen System zu tun hat. Zum einen hat(te) Bali über viele Jahrhunderte ein Kastensystem, dass neben der gesellschaftlichen Stufe auch die Auswahl der verfügbaren Berufe klar definiert hat. Gehörte man der Kaste der Schmiede an, ist man eben Schmied geworden. Das funktioniert so heute vielleicht nicht mehr, aber es bringt mit sich, dass es keine Tradition innovativer unternehmerischer Aktivitäten gibt. Dann erscheint es einem vielleicht logisch, direkt neben dem Geschäft seines Nachbarn noch ein zweites Souvenirgeschäft mit den gleichen Produkten aufzumachen, denn warum soll es bei einem selbst nicht funktionieren, wenn es doch beim Nachbarn klappt. Zum anderen ist die Grundlage dafür, dass man sich Gedanken über Dienstleistungen und Produkte macht, die sich von anderen abheben, wie so häufig schlichtweg eine Frage der Bildung. Ich behaupte einfach mal kühn, dass die meisten Balinesen nur wenig von der Welt außerhalb ihrer eigenen kennen und auch nur wenig Wissen über die kulturellen Hintergründe der Menschen haben, die als Touristen zu ihnen kommen. Und so befindet man sich in einer von gegenseitiger Ignoranz geprägten Situation, die für alle Beteiligten unbefriedigend bleibt.

Die Konsequenz davon ist, dass Bali nur noch in Teilen und zusehends weniger das Urlaubsziel für abenteuerlustige Reisende mit Interesse an Kultur und Menschen sein dürfte, als das es mal gestartet ist. Schon jetzt hört man: fahr doch lieber nach Lombok neben an. Weniger Touristen und noch viel authentischer. Und diese Veränderung geht schnell voran. Liest man Reiseberichte von 2016 oder 2017, erfährt man noch von Zuständen, die es heute einfach nicht mehr gibt. Auf eigene Faust den Pura Besakih – den hinduistischen Muttertempel Balis – besichtigen? Keine Chance, denn heute ist der Guide schon im Eintritt mit inbegriffen und er will zum Abschluss der Besichtigung auch noch ein Trinkgeld haben und wird dir deutlich mitteilen, wenn er der Meinung ist, dass das, was du ihm anbietest, zu niedrig ist. Ihn interessiert dann auch nicht, dass du ihn aufgrund seines schlechten Englisch kaum verstanden hast und lieber ganz auf einen Guide verzichtet hättest.

War deshalb in unserem Bali-Urlaub alles schlecht? Natürlich nicht! Wir haben schöne Erlebnisse gehabt, sehr gut gegessen und uns auch an vielen Orten wohlgefühlt. Darum geht es dann in Teil 2 unseres Berichts.