Djerba, Tunesien – Gedanken über Tourismus

Wir probieren gern mal was Neues aus. Und wir fahren gern zu unseren Geburtstagen im März das erste Mal im Jahr ein wenig ins Warme. Wir haben diese beiden Dinge dieses Jahr kombiniert und uns für eine Pauschalreise von TUI auf die tunesische Insel Djerba entschieden. Unser Fazit ist eine gemischte Angelegenheit. 

5 Sterne TUI Hotel mit Zug zum Flug

Bisher haben wir in der Regel unsere Urlaube sehr individuell geplant und zusammengestellt. Deshalb ist eine Pauschalreise – also das, was viele Deutsche jedes Jahr machen – eine echte Erfahrung. Wir waren sehr gespannt darauf, was uns erwartet und haben nun, nachdem wir wieder zuhause sind, sehr gemischte Gefühle – nicht nur in Bezug der Urlaubsorganisation, sondern auch in Bezug auf unser Urlaubsziel Djerba. Die Insel mit ihren 514 Quadratkilometern ist ein kleiner Mikrokosmos, der einen geradezu damit konfrontiert, sich mit kritischen Fragen über die ökonomischen, kulturellen und ökologischen Auswirkungen von konventionellem Tourismus auseinander zu setzen.

Unser Urlaubsflieger einer tunesischen Billigairline ist in schlechtem Zustand und bis auf den letzten Platz besetzt. Über Monastir fliegen wir nach Djerba und merken schon direkt nach der Ankunft in Tunesien, dass die Tunesier*innen, die direkt mit Tourist*innen zutun haben, über beeindruckende Sprachkenntnisse verfügen. Neben Arabisch und Französisch, die in Tunesien als Amtssprachen gesprochen werden, können viele fließend Deutsch, Englisch, Polnisch oder Russisch. Für die Tunesier*innen ist dies mit Sicherheit eine wichtige Kompetenz, die es ihnen ermöglicht, in einem Land mit circa 15 Prozent Arbeitslosigkeit, ihr Einkommen zu sichern. Für die Besucher*innen macht es diese Tatsache sehr einfach, sich in keinerlei Hinsicht sprachlich irgendwie bemühen zu müssen. Interessanterweise hält es viele (deutsche) Besucher*innen deshalb noch lange nicht davon ab, sich überheblich und unfreundlich zu verhalten, auch wenn ihr Gegenüber alles sehr gut verstehen kann. Manchmal möchte man vor lauter Fremdscham im Boden versinken.

Das Thema Trinkgeld kam auch in unserem Hotel sehr schnell auf und dankenswerterweise hatten wir einen tunesischen Reiseleiter von TUI, der zu diesem, wie auch zu anderen Themen sehr klar war. Tunesier*innen verdienen im Schnitt circa 300 Euro im Monat als Servicepersonal im Tourismussektor. Das ist auch für tunesische Verhältnisse kein gutes Einkommen. Sie sind also maßgeblich auf Trinkgelder angewiesen. Da sie eine sehr gute Vorstellung davon haben, was die Gäste eines 5-Sterne Hotels für ihren Urlaub ausgeben, nehmen sie es berechtigter Weise nicht mit überschwänglicher Dankbarkeit auf, wenn eben diese Gäste sie mit Centbeträgen „beglücken“ wollen. Wie überall ist Trinkgeld ein Ausdruck von Wertschätzung für die Dienstleistung, die leider viele Tourist*innen nicht übers Herz bringen.

Und bezüglich unserer Unterkunft können wir nur sagen – so schlecht der Flug, so toll das Hotel inklusive Service. Ein Dankeschön war hier also mehr als angebracht.

TUI Blue Palm Beach Palace

Unser Hotel ist vor nicht allzu langer Zeit saniert worden, sehr geschmackvoll eingerichtet, verfügt über große Zimmer, eine gepflegte Anlage mit 2 Außenpools und 1 Innenpool, einem Spa, zwei Restaurants, 3 Bars/Cafés, einem Gym und diversen anderen Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben.

Wir haben uns ausgesprochen wohl gefühlt und konnten uns durchaus auch für einige Vorteile einer all inclusive Verpflegung erwärmen, wie zum Beispiel soviel Minztee wie man will und auch sonst ein sehr gutes Getränkeangebot.

Außerdem bietet das TUI Blue Konzept ein umfangreiches Fitnessprogramm (neben dem Gym gibt es täglich unterschiedlichste Kurse) inklusive entsprechenden Ernährungsangeboten. Augenscheinlich haben die wenigsten der Gäste davon Gebrauch gemacht – auch faszinierend, denn wir hätten uns wahrscheinlich zu Tode gelangweilt, hätten wir das Rumliegen in der Sonne nicht durch Faszientraining, Sporteinlagen oder Schwimmen ergänzt.

Tunesische Küche – oder was man Tourist*innen anbietet

Kommen wir zum leidigen Thema Essen. Unsere Erwartungshaltung war nicht besonders groß und ist deshalb auch nicht enttäuscht worden. Das Buffet war für drei Mahlzeiten täglich sehr reichhaltig und abwechslungsreich. Es gab immer jede Menge frisches Gemüse – roh wie gekocht – und Obst. Wer auf eine gesunde Ernährung achten wollte, hatte außerdem immer vegetarische und vegane Optionen zur Auswahl. Außerdem wurden sehr viele Dinge frisch zubereitet, vom Croissant-Bäcker zum Frühstück, dem frisch gegrillten Fisch zu Mittag oder dem individuell zubereiteten Steak am Abend, war alles möglich. Aber … geschmacklich war das Ganze leider enttäuschend. Zu wenig Salz, zu wenige Gewürze – bis auf wenige Ausnahmen mussten wir alles mindestens nachsalzen, und das in einem Land, in dem es auf jedem noch so kleinen Markt eine breite Auswahl an Gewürzen zu kaufen gibt. Leider war dies auch nicht nur in unserem Hotel der Fall, sondern tatsächlich überall da, wo in der Mehrheit Touristen verköstigt werden. Wir nehmen also mal an, das Tunesien per se eine leckere Küche hat, wir konnten sie leider nicht ausprobieren.

Trotzdem haben wir ein paar Gerichte gegessen, die uns sehr positiv in Erinnerung bleiben und die – wenig überraschend – typisch tunesisch sind. Zum Frühstück entdeckten wir am Buffet etwas, das sich Bsissa nennt. Dabei handelt es sich um ein Mehl aus Gerste, Weizen, Linsen oder Sorghum, das mit Wasser oder Milch angemischt und gesüßt wird. Wir haben uns davon gern einen Löffel in unseren Joghurt oder unser Porridge gemischt.

Brik ist ein Snack oder eine Vorspeise: die Teigtaschen sind ausgebacken und mit Kartoffeln, Thunfisch oder Garnelen sowie einem Ei gefüllt. Es gibt viel guten Fisch und Meeresfrüchte auf Djerba, auch wenn man hier kaum selbst Fischerei betreibt, weil die meisten Küstenabschnitte extrem flach sind und man erstmal viele Meter ins Meer gehen muss, bis man einen Wasserstand höher als 80 cm erreicht.

Wie in vielen arabischen Ländern steht man auch in Tunesien auf Süßes in Form von Gebäck. Hier können wir die Patisserie „Les Perles Arabiques“ in Erriadh auf Djerba empfehlen. Eine Frauenkooperative stellt hier kleine Köstlichkeiten her, die lecker nussig und nicht so süß sind, wie sie aussehen.

Harissa ist in der gesamten nordafrikanischen Küche sehr verbreitet. In Südtunesien gibt es die „Berber“-Variante, bei der die scharfe Paprika durch eine geräucherte Variante ergänzt wird. Das Pulver wird mit Olivenöl angerührt und entweder mit Brot oder als Würzmittel in verschiedenen Gerichten gegessen.

Djerba, die Schöne

Djerba ist die größte Insel Nordafrikas und eine der wenigen bewohnten Inseln Tunesiens. Mit einem von den Römern erbauten Damm von circa 7 Kilometern ist sie mit dem Festland verbunden. Hier leben etwa 165.000 reguläre Einwohner*innen, die vor allem in der Sommersaison vom 2-3fachen an Tourist*innen in die Minderheit gebracht werden. Diese Tatsache stellt die Inselinfrastruktur und ihre Bewohner*innen natürlich vor ziemliche Herausforderungen.

Grundbesitz auf Djerba ist zu 100 Prozent in privatem Besitz – zumeist seit vielen Generationen. Diese Familien profitieren maßgeblich vom großen touristischen Interesse, nicht nur innerhalb der „Tourismus-Zone“, in der die großen Hotelanlagen an der Ostküste neben einander liegen. Wer hier Grundstücke an Reiseanbieter vermietet, hat das große Los gezogen. Aber auch der Rest der Insel ist weitestgehend in einem sehr guten Zustand. Die Straßen sind in Ordnung und die Häuser sind mehrheitlich sehr gepflegt. Das – kombiniert mit der sehr schönen mediterran-arabischen Architektur – trägt natürlich maßgeblich zu Ästhetik bei. Die weiß getünchten Häuser mit ihren blauen Fenstern oder Türen, die zwischen Palmen- und Olivenhainen liegen, sind wunderschön anzuschauen.

Was ist besonders schön?

Besonders gefallen hat uns Erriadh, im Zentrum der Insel. Der Ort ist historisch spannend, da sich hier eine jahrhundertealte jüdische Gemeinde befindet, deren Vorfahren nach der Zerstörung des ersten Tempels nach Nordafrika gekommen sind. Die Synagoge Al Ghriba kann besichtigt werden und verbindet in ihrer Ausstattung typische regionale Einflüsse mit jüdischen Traditionen.

Erriadh hat außerdem einen sehr schönen Stadtkern, der aber auch eine Touristenattraktion ist: die weißen Wände der Häuser werden seit einigen Jahren als „Leinwand“ für Street Art Künstler*innen zur Verfügung gestellt. Ein Spaziergang hier ist entspannt und spannend, wenn man die ganzen verstreuten Motive entdecken möchte.

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In Erriadh sind wir auch über eine Alternative zur klassischen Bettenburg gestoßen: Dar Dhiafa ist ein kleines Hotel, dass seine Räumlichkeiten sehr traditionell gestaltet hat, aber trotzdem einen sehr guten Standard bietet und außerdem in seinem schönen kleinen Innenhof ein überdurchschnittlich gutes Restaurant führt, dass zu Mittag und abends auch für Laufpublikum offen ist.

 

Auch die Hauptstadt der Insel Houmt Souk ist einen Besuch wert. Passend zu ihrem Namen, verfügt Houmt Souk über einen zentralen Markt und alte Karawansereien. Djerba war schon in der Antike eine wichtige Handelsstation, die den Mittelmeerraum mit den Karawanenwegen der Sahara verband. Sklaven waren dabei neben Gewürzen, Olivenöl und Datteln eine der wichtigsten Handelswaren. Deshalb setzt sich die Bevölkerung von Djerba durch Menschen arabischer sowie schwarzafrikanischer Abstammung zusammen.

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Was muss nicht sein?

Natürlich … gibt es eine Kehrseite: für viele normale Einwohner*innen von Djerba wird die Insel immer weniger bezahlbar. Die Mietpreise und Lebenshaltungskosten sind vergleichsweise hoch, vor allem im Vergleich zum südtunesischen Festland. Deshalb wohnen inzwischen viele Tunesier*innen, die im Tourismus arbeiten, in WGs zusammen und Vermieter*innen überlegen sich inzwischen sehr gut, ob sie ihre Wohnungen an Einheimische, oder für 70 EUR und mehr pro Nacht an Tourist*innen vermieten.

Darüber hinaus sorgt die Masse an Tourist*innen, die in Djerba jedes Jahr einfallen, für ein sehr einseitiges Shoppingangebot. Keramik ist besonders weit verbreitet. Im Töpferdorf Guellala inszeniert man dies noch sehr traditionell und stellt auch wirklich noch Gebrauchskeramik für die Bewohner*innen Djerbas her. Der Großteil des Umsatzes wird aber durch dekorative Keramik für Tourist*innen gemacht. Wer hier herkommt, muss sich also darüber im Klaren sein, dass er kaufen soll.

Insgesamt hat der Fokus auf Produkte und Einkaufsmöglichkeiten für Tourist*innen noch eine andere Auswirkung, die wie wenige andere die Schizophrenie des Tourismus auf Djerba demonstriert: es entstehen immer mehr klimatisierte, große und kleine Einkaufszentren inklusive Supermärkten, die es Tourist*innen besonders einfach machen sollen, Geld auszugeben. Diese Shopping Malls werden aber auch von der regulären Bevölkerung benutzt, zumindest für alles, was den alltäglichen Bedarf angeht. Das Ergebnis: die typischen Märkte verschwinden aus den Städten, weil die Einwohner*innen hier nur noch frischen Fisch und Gewürze kaufen. Gleichzeitig sind es vor allem diese traditionellen Märkte, die viele Tourist*innen als regionale Besonderheit sehen wollen. Die Katze beißt sich also in den eigenen Schwanz.

Es gibt noch einen anderen Faktor, der den Massentourismus auf Djerba sehr zwiespältig macht – und das ist die Ökobilanz, die bei konventionellem Tourismus ja eh ein grundlegendes Problem ist. Dabei gibt es „unsichtbare“ Faktoren, wie zum Beispiel die Tatsache, dass Djerba mit Aufwand vom Festland mit Wasser versorgt werden muss, von dem 80 Prozent für die Touristen und nur 20 Prozent für die Einwohner*innen eingesetzt wird. Absolut sichtbar ist allerdings die Unmenge von Müll, die das schöne Panorama von Djerba stört.

Die gesamte Insel ist mit einem Teppich aus Plastikmüll überzogen. Wenn man nicht sowieso schon davon überzeugt war, das Plastik eine der größten Sünden der Menschheit ist, dann bekommt man hier einen erschreckenden Eindruck. Die Mülldeponie von Djerba ist viel zu klein, um den gesamten hier anfallenden Müll zu sammeln. Gleichzeitig weht gerade jetzt im Winter ein straffer Wind vom Meer und verteilt Flaschen und vor allem Plastiktüten über die gesamte Insel. Die Fetzen hängen in den Olivenbäumen und Kakteen, sie vermischen sich mit dem Sand. Das zu bereinigen, ist eine unmögliche Sisyphosaufgabe, ganz zu schweigen von der Aufgabe, die Müllproduktion insgesamt zu reduzieren. Zum Müll an Land kommt dann noch der Müll aus dem Meer, der täglich an den Stränden angespült wird.

Südtunesien – zwischen Star Wars und Berberkultur

Im Rahmen eines Tagesausflugs haben wir unser Hotel und Djerba verlassen und sind aufs Festland gefahren, um ein wenig in die Wüstenlandschaften Südtunesiens einzutauchen. In Tunesien finden sich drei Wüstenlandschaften: Salzwüsten (allen voran der große Salzsee von Chott el Djerid), Steinwüsten in den Ausläufern des Atlasgebirges und die Sandwüste der Sahara.

Auch wir sind an kleineren Salzseen in der Nähe von Medenine vorbeigekommen. Jetzt im Winter steht dort noch Regenwasser, das allerdings in den nächsten Wochen verdunsten wird, so dass nur noch die Salzkruste übrig bleibt.

Etwas weiter Richtung der Regionalhauptstadt Tataouine beginnt sich die Sahara mit ihrem typisch orangefarbenen Sand auszubreiten und man sieht die ersten Wanderdünen.

Weiter Richtung Atlasgebirge kommt man in die traditionellen Siedlungsgebiete der Berber. Die Berber sind die Ureinwohner*innen Nordafrikas. Sie haben in der Regel wesentlich hellere Haut, blonde und rötliche Haare und blaue oder graue Augen. Als Reaktion auf die Arabisierung und Islamisierung der Region haben sie sich im 7. Jahrhundert in die Berge zurückgezogen und ihre Wohnungen ins Gestein geschlagen. Außerdem legten sie Ksour an, Speicherburgen, die zum einen als Lagerstätte aller Besitztümer der Stämme genutzt wurden und im Konfliktfall auch der Verteidigung dienten.

 

Im Berberdorf Chenini leben aktuell noch circa 1000 Personen. Viele der alten Wohnungen sind inzwischen verlassen, aber zuletzt hat die tunesische Regierung einiges dafür getan, diese traditionelle Lebensweise zu erhalten. Sie hat die Wasser- und Stromversorgung sichergestellt und für das Dorf eine Schule und eine Post gebaut, um somit zumindest etwas der Abwanderung in die umliegenden Städte entgegen zu wirken.

 

Die nächstgelegene größere Stadt ist Tataouine. Ihr Name sagt vor allem Freunden und Fans von Star Wars etwas – und das ist kein Zufall. Gerade für die Filmtrilogie aus den 70igern sind viele Szenen in Südtunesien gedreht worden. Es muss schon befremdlich bzw. lustig für die Tunesier*innen gewesen sein, als sie das erste Mal Star Wars gesehen und festgestellt haben, dass es auf dem Wüstenplaneten Tatooine am Rande der Galaxie erstaunlich wie in ihrem Land aussieht.

Außer dem Namen, bietet Tataouine allerdings nicht viel Spannendes für Tourist*innen. Wir haben eine Runde über den Markt gedreht und den besten Kaffee des gesamten Urlaubs getrunken (allerdings hing die Messlatte dafür auch sehr, sehr niedrig).

 

Mehr Star Wars bietet da schon die Speicherburg Ksar Hadada. Hier wurde in den 90iger Jahren für die 2. Trilogie gedreht. Dafür ist ein Teil der Anlage verputzt worden. Die Wohnnischen sind inzwischen als Hotel buchbar. Der andere Teil der Anlage ist in seinem Originalzustand verblieben.

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Was vom Land sehen?

Wir haben zwei Ausflüge gebucht: die Südtunesientour und eine Djerba-Rundfahrt. Ersteres war kurzweilig und interessant, auch wenn wir an der einen oder anderen Stelle gern etwas tiefer eingestiegen wären. Zweitere war vor allem eine Möglichkeit, Souvenirs anzubieten. Wir haben das erwartet und am Ende sind wir alle mündige Erwachsene, die selbst entscheiden können, ob sie etwas kaufen möchten, oder nicht. Trotzdem setzt dies viele andere Reisende unter Druck. Viele Tourist*innen verlassen deshalb die Hotelanlage gar nicht. Die Angst, über’s Ohr gehauen zu werden, gepaart mit der Unfähigkeit, auf eigene Faust unterwegs sein zu können, sind nicht zu unterschätzende Hindernisse. Selbst für uns, die schon in ganz anderen, wesentlich unentspannteren Ecken unterwegs waren, hat es sich seltsam angefühlt, unser Hotel am Ende irgendeiner Straße im Nirgendwo per Sicherheitstor zu verlassen.

Nicht rauszukommen, wäre aber definitiv bedauerlich. Nicht überraschend, haben uns die Momente, in denen wir allein unterwegs waren, am Besten gefallen. Wir können uns auch sehr gut vorstellen, noch mal nach Tunesien zu kommen, und uns, allerdings als individuelle Reise, die vielen anderen interessanten Orte wie Tunis, Kairouan oder Tozeur anzuschauen.

Souvenirs, Souvenirs

Außerhalb einer Gruppe kann man in der Regel aufdringlichen Verkäufern besser entgehen. Grundsätzlich allerdings zum Thema Souvenirs: auch hier hatte unser Reiseleiter eine, wie wir finden, sehr passende Aussage parat. Natürlich sind die Preise, die gegenüber Tourist*innen aufgerufen werden, überteuert, im Vergleich zu dem, was Tunesier*innen bezahlen würden. Aber statt auf Biegen und Brechen handeln zu wollen, nur um die Befriedigung zu bekommen, den Preis gedrückt zu haben, sollte man sich einfach die Frage stellen, ob das Objekt, um das es geht, es einem wert ist, den geforderten Preis zu bezahlen.

Wir haben ziemlich klassische Souvenirs gekauft, aber nicht, weil sie uns aufgeschwatzt wurden, sondern weil sie genau dem entsprechen, was wir normalerweise aus dem Urlaub mitbringen: Keramik, Schmuck, Gewürze und Lebensmittel.

Das Fazit

Selten hat uns eine Reise so mit den Licht- und Schattenseiten des Tourismus konfrontiert, wie diese. Allein dafür war sie gut. Wir werden auch weiterhin in den Urlaub fahren, aber sicher nicht mehr als Pauschalreise. Und, wie bei vielen anderen Dingen auch, kann es nicht schaden, sich der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu sein und hier und da, nach den eigenen Möglichkeiten, bessere Entscheidungen zu treffen.

Unser Tunesien-Soundtrack

Viel Spaß mit diesem Ohrwurm ;)