Marmor, Monumente, Megalithen – Alentejo, Portugal

Portugal kristallisiert sich zunehmen zu unserem Lieblingsziel in Südeuropa heraus. Auch zu unserem dritten Besuch, diesmal im Alentejo (und in Lissabon), hat es sich von seiner bezauberndsten Seite gezeigt.

Geheimtipp Alentejo

Nicht ans Meer zu fahren, ist vielleicht nicht für jede/n die offensichtliche Wahl, wenn es um das nächste Urlaubsziel geht. Und ja, wir mögen das Meer, vor allem, wenn man mit einem Boot darauf herumfahren kann, aber wir gehen gar nicht so gern rein. Zum Abkühlen reicht uns ein Pool. Deshalb haben wir von Lissabon aus nicht den Weg entlang der Küste zum nächsten Strand, sondern ins Landesinnere in die Region Alentejo eingeschlagen.

Diese Region ist sehr ländlich, mit kleinen Dörfern und Städtchen, die kaum auf 50.000 Einwohner*innen kommen. Die Landschaft ist geprägt von den portugiesischen Korkeichen und von Olivenbäumen. Bereits jetzt Ende Mai ist drum herum alles braun, denn im Alentejo wird es im Sommer richtig warm. Wir haben schon das erste Mal 37 Grad mitgenommen und das im Frühsommer. Der Sommer hier muss erbarmungslos sein.

Wie das häufig so ist: ländlich, knappe natürliche Ressourcen, keine urbane Infrastruktur = nicht die reichste Gegend Portugals. Vielleicht ist es deshalb nicht so verwunderlich, dass seit den 1970igern hier die Kommunisten groß sind. 1974 fand sogar eine kurzzeitige Parallel-Revolution und Kollektivierung hier statt, während der Rest des Landes nach der Nelkenrevolution und dem Sturz des faschistischen Regimes mit einer konservativen Regierung in die Dritte Republik ging.


Casa Azimute & Estremoz

Unser Hotel „Casa Azimute“ liegt etwas außerhalb der Stadt Estremoz und ist vielleicht die schönste Urlaubsunterkunft in ganz Portugal – zumindest nach unserer Meinung :)

Nicht nur Architektur und Inneneinrichtung waren ganz nach unserem Geschmack, auch die Abgeschiedenheit mit nur wenigen anderen Gästen innerhalb eines 28 Hektar großen Grundstücks war genau das, was wir uns für unseren Urlaub gewünscht haben.

Ob auf dem Daybed auf der Terrasse oder am Pool, der Entspannung steht hier wahrlich nichts im Wege.


Ein bisschen rausgekommen, sind wir dann aber doch. Zunächst natürlich nach Estremoz. Mit nicht ganz 10.000 Einwohnern ein typisches Alentejo-Städtchen: auf einem Hügel gelegen, ganz oben eine Festung, kleine, verwinkelte Straßen und erstaunlich gute Restaurants.

Ebenfalls typisch für die Region: jede Menge Marmor, der hier abgebaut wird, sowie jede Menge Weinstöcke von einem der zahlreichen Weingüter in der Umgebung.


 Wo kann man gut schlemmen?

Eine Sache vorweg: das Grundlebensmittel im Alentejo scheint Schweinefleisch zu sein. Für Vegetarier ist die ganze Region eine echte Herausforderung. Wir können in Estremoz aber besonders zwei Restaurants empfehlen:

Mercearia Gadanha

Das beste Haus am Platz mit etwas mehr Raffinesse, als man in der eher bodenständigen Alentejo-Küche sonst geboten bekommt. Wir haben gegessen: Lammkroketten, Spinat mit Bratwurst und Wachteleiern, Kartoffelschaum auf Pilzragout und pochierten Eiern, Pulpo auf weißem Bohnenpüree und Thunfisch mit neuen Kartoffeln und Spinat.


Alecrim

Ein größeres Restaurant in dem man auch ohne Reservierung einen Platz bekommt. Hier gab es für uns Bacalhau-Kroketten, Lammkotelett und cremiges Risotto mit geräuchertem Hühnchen.


Leider ist es in Portugal so, wie in anderen südeuropäischen Ländern auch. Abends öffnen die Restaurants erst 19:30 und nach dem Mittag ist es fast unmöglich, dazwischen irgendwo etwas zu Essen zu bekommen. Eine Ausnahme ist das Bistro Sabores das Maltezas in Estremoz. Hier bekommt man Tapas und Salate auch am Nachmittag 16:00.

Und wenn es ganz hart kommt, kann man zur Not immer noch ein Pastel de Nata snacken. Wir sind ja der Meinung: wenn man schon mal in Portugal ist, braucht es jeden Tag wenigstens eins von diesen Teilen.


Kommt man im Alentejo außerhalb der etwas größeren Ortschaften in die Verlegenheit, etwas essen zu wollen, muss man nicht verzagen, sondern sich auf die Bewertungen im Internet verlassen. Meist bedeutet das Ergebnis, dass man in einer kleinen, traditionellen Gaststätte landet, was aber nicht bedeutet, dass die dort angebotene Hausmannskost nicht gut wäre. So haben wir z. B. in der Nähe von Marvão bei einem älteren Ehepaar in der Dorfgaststätte zwei Klassiker der hiesigen Küche gegessen: Bacalhau mit Kartoffeln und Ei sowie ein Brei aus Kartoffeln und Brot mit allen, was das Schwein hergibt. Nicht die schönsten Gerichte, aber sehr schmackhaft.


Was ist besonders schön?

Der ganze Alentejo hat absolut seinen Reiz. Überall kleine weißgetünchte Städtchen und Burgen, Eichen und Weinstöcke. Aber wenn man nicht so viel Zeit hier verbringt, sind unsere beiden Empfehlungen: Castelo de Vide (schon fast an der spanischen Grenze) und Évora.


Castelo de Vide

Dieses kleine Städtchen ist einfach nur bezaubernd und scheinbar noch ziemlich unbekannt. Außer uns waren nur sehr wenige Touristen anzutreffen. Auf dem Weg durch die Altstadt kommt man hier durch ein ehemaliges jüdisches Viertel komplett mit einem Mineralwasserbrunnen, an dem man sein Fläschchen auffüllen kann.

Wenn man in dieser Region von einem jüdischen Viertel spricht, dann meint man jüdisches Leben vor der Inquisition und Zwangschristianisierung im Mittelalter. Also schon ein bisschen her, weshalb es auch nicht selbstverständlich ist, dass man hier eine Synagoge wiederentdeckt hat, die über viele hundert Jahre anderweitig genutzt worden war. Man kann sie als ein kleines Museum besichtigen.

Von der Synagoge steigt man weiter hinauf bis zur Festung, in deren Inneren sich nicht nur eine Burg und eine Kirche, sondern auch ein immer noch bewohntes Stadtviertel befindet.


Évora

Évora ist, neben der Regionalhauptstadt Portalegre, die größte Stadt des Alentejo. Da hier auch eine größere Universität ansässig ist, hat die Stadt aber ein jüngeres Profil – hat uns etwas an Erfurt erinnert. Die Altstadt von Évora ist ein UNESCO Weltkulturerbe und sehr hübsch anzusehen.

Neben jeder Menge mittelalterlicher Bausubstanz finden sich hier allerdings auch römische Überbleibsel.


Das Weingut deines Vertrauens

Wer Wein mag, kommt im Alentejo nicht um den Besuch eines Weingutes herum. Dabei ist die Auswahl sehr groß, denn so ziemlich alle Weingüter bieten Führungen und Verkostungen an. Wir haben uns für ein Weingut in Estremoz entschieden, dass von einem recht jungen Winzer gegründet worden ist, der versucht, in die altehrwürdige Weinbau-Tradition des Alentejo etwas frischen Wind hineinzubringen.

Tiago Cabaço ist Winzer in siebter Generation und hat sich (vom gleichen Architekten wie das Casa Azimute) ein etwas anderes Weingut bauen lassen. Hier baut er zwar traditionelle, regionale Weinsorten an, darunter einige indigene Sorten aus Portugal, aber er versucht, etwas andere Weine zu produzieren. Damit hatte er gleich von Anfang an Erfolg, denn bereits sein Rotwein-Cuvée namens „Blog“ von 2013 (einem Jahr nach Gründung des Weinguts) wurde mit einem internationalen Award ausgezeichnet. Neben dieser Premiumlinie in zwei Qualitätsstufen, hat er seine .com-Reihe mit alltagstauglichen Weinen, sowie seine „Vinhas Velhas“ (Alte Weine)-Reihe im Sortiment, die vor allem auch in der lokalen Gastronomie gut ankommt.

Wir haben uns das Weingut zeigen lassen und natürlich auch verkostet.


Was muss nicht sein?

Marvão

Gleich neben Castelo de Vide liegt Marvão, hoch oben über der Ebene. Auch Marvão ist ein schönes Städtchen, aber ganz klar auf Touristen ausgelegt. Hier werden auch Busladungen asiatischer Touristen ausgeschüttet und das befestigte Dorf wirkt nicht mehr authentisch sondern wie eine touristische Kulisse.

Leider kann man auch durch die engsten Straßen mit dem Auto fahren, was die Besichtigung etwas nervig macht. Das heißt nicht, dass man Marvão nicht trotzdem besichtigen sollte, wenn man die Zeit hat, aber Castelo de Vide ist definitiv unsere Empfehlung.


Évora Monte

Nicht weit entfernt von Évora liegt der kleine Ort Évora Monte – natürlich ebenfalls auf einem Hügel. Der ganze Ort besteht aber mehr oder weniger aus einer einzigen Straße, die vorbei an der Burg, und einem Souvenirladen bis hin zum Friedhof führt. In ganz Évora Monte wohnen (und sterben scheinbar auch) keine 600 Einwohner. Schöner Halt für Fotos, aber sonst ist hier wahrlich nicht viel los.


Megalithen

In der Region Alentejo finden sich jede Menge Megalithen. Das sind große Steine, meist Granit, die während der Eiszeit in der Region abgelagert wurden und von einer jungsteinzeitlichen menschlichen Kultur bearbeitet und in (wahrscheinlich) rituellen Anordnungen aufgestellt wurden. Klingt theoretisch sehr interessant. Leider tu man sich im Alentejo etwas schwer damit, diese auch touristisch nutzbar zu machen.

Das erste Mal auf die Suche, haben wir uns in der Nähe von Castelo de Vide gemacht. Nachdem wir mehr oder weniger den gesamten Landkreis abgefahren hatten, haben wir ein kleines Schildchen entdeckt, dass auf einem Feldweg zu einem Holztor in einer Mauer geführt hat. Von hier konnte man sich dann von einem Feld zu einem anderen durchschlagen, wo sich dann das unten zu sehende, interessante Gebilde befindet. Leider liegt zwischen den Besucher*innen und den Megalithen allerdings ein Zaun :(

Auch in der Nähe von Évora gibt es verschiedene Megalithen. Diese sind auch in einer Art Naturpark zusammengefasst. Die „Straßen“ in diesem Park haben mich allerdings sehr an „Straßen“ im ländlichen Äthiopien erinnert, so dass man hier schon eher einen SUV oder gleich einen Allrad-Antrieb braucht. Dann muss man sich aber immer noch zu Fuß über irgendwelche Feldwege hindurchschlagen.

Aber es ist nicht so, dass es sich gar nicht lohnt. Die Gebilde sind definitiv interessant, wenn man sie dann gefunden hat.