Blade Runner-Assoziationen in Tokyo

2 Wochen Japan – eine Woche in Tokyo, eine Woche in Kyoto. Spannend, schön, aufregend, lecker und noch viel mehr Adjektive beschreiben diesen Urlaub. 

Von Nihonbashi nach Shibuya

Wir haben uns entschieden, zunächst im Osten Tokyos und nach unserer Rückkehr aus Kyoto im Westen zu übernachten. Das macht die Wege etwas kürzer, denn Tokyo ist groß. Größer als alles, was wir bisher gesehen haben. Größer als man wirklich erfassen kann. Im direkten Stadtgebiet leben 10 Mio., im gesamten Einzugsgebiet 34 Mio. Menschen. Das sind mehr als viele Staaten weltweit Einwohner haben.

Unser erstes Hostel „Citan“ lag im Viertel Nihonbashi.

Hier geht es noch recht ruhig und nicht so touristisch zu. Es haben ein paar erste hipstertaugliche Hostels, Restaurants und Läden aufgemacht, aber alles noch im kleinen Stil. Das heißt aber nicht, dass man hier nichts machen könnte. Nihonbashi is die „Heimat“ von den „Sieben glücksbringenden Göttern“ und damit der Ort, an dem man die kürzeste Pilgertour in ganz Japan machen kann. In nur 2 Stunden kann man die Schreine der 7 Götter besuchen und für Glück, Schönheit, Wohlstand oder ein langes Leben bitten.

Von Nihonbashi aus kommt man mit dem hervorragend ausgebauten und preisgünstigen ÖPNV schnell in den Norden ins alte Stadtzentrum Tokyos (Asakusa, Ueno und Yanaka) oder in die Business-Bezirke Ginza und Marunouchi rund um den Tokyoter Hauptbahnhof.

Für unseren zweiten Aufenthalt in Tokyo haben wir uns für ein Hotel in Shibuya entschieden, also mitten im Hotspot der Tokyoter Jugendkultur. Hier ist es Tag und Nacht durch tausende Werbeanzeigen grell erleuchtet, es schallen die neuesten japanischen Pop-Hits aus den Lautsprechern und es reiht sich ein Kaufhaus an die nächste Boutique.

Hier kann man auch als Super Mario verkleidet Go Kart auf der Straße fahren.

Zum Thema Unterkunft in Tokyo muss man leider sagen, dass ein neues Gesetz in diesem Jahr die Privatvermietung zum Beispiel über AirBnB extrem eingeschränkt hat. Es bleiben einem also nur Hostels oder Hotels. Unsere Erfahrung war, dass das Preis-Leistungsverhältnis im Hostel definitiv besser stimmt. Hotelzimmer sind extrem klein und teuer. Wenn man was Schickes will, muss man schon richtig Geld auf den Tisch legen oder man gibt sich mit einem 0815-Zimmer zufrieden.

Wo ist es besonders schön?

In Tokyo muss man etwas auf die Suche gehen, für die wirklich schönen Ecken. Aber wenn man über die gängigen Touri-Plätze hinaus geht, dann wird man fündig. Im Uhrzeigersinn durch Tokyo hat uns besonders gefallen:

Yanaka

Da Yanaka bei den Luftangriffen im 2. Weltkrieg weitestgehend verschont geblieben ist, gibt es hier noch viele traditionelle Häuser, Tempel und einen großen, schönen Friedhof. Hier liegt unter anderem Japans letzter Shogun Tokugawa Yoshinobu (1837-1913) begraben.

Man kann schöne Souvenirs kaufen und leckere Snacks probieren, vor allem auf der Yanaka Ginza, einer autofreien Einkaufsstraße im Herzen des Viertels.

Asakusa

In der Edo-Zeit war Asakusa das Stadtzentrum von Tokyo und auch jetzt ist hier noch einiges los, vor allem rund um den großen Senso-Ji Tempel aus dem 7. Jahrhundert, einem der ältesten Tempel in ganz Tokyo. Den Tempelbezirk betritt man durch das große Kaminarimon Tor und kann dann in den Straßen rund um den Tempel allerlei Schnick-Schnack und Leckereien kaufen. Für den Blick von oben muss man im Tourist Center nur den Fahrstuhl zur Aussichtsplattform nehmen.

Die Gegend ist sehr beliebt bei Japanern, die zum Beispiel zum Schulabschluss um göttlichen Beistand bitten. Dabei schmeißt man sich auch in Schale, beziehungsweise in Kimonos, und bietet gleichzeitig noch den Touristen schöne Motive.

Wir haben im Tempel auch mal nachgeschaut, wie es um unser Glück steht. Dabei schüttelt man eine Metalldose, in der sich Holzstäbchen mit Buchstaben befinden. Man sucht sich die passende Schublade und nimmt sich seine Vorhersagung. Ist sie gut, behält man sie, ist sie schlecht, bindet man sie an einen Faden und schickt so das schlechte Schicksal in den Wind.

Von Asakusa aus kann man mit Tokyo Cruise auch eine Bootstour auf dem Sumida Fluss machen. Direkt gegenüber vom Tokyo Skytree geht es los.

Hamarikyu Gardens

Aussteigen kann man dann zum Beispiel an den Hamarikyu Gardens. Dieser Park inmitten eines Geschäftsviertels ist eine wunderbare Ruheoase. Zunächst als Jagdrevier der Shogune und dann als Garten der Kaiserfamilie genutzt, ist er seit 1946 der Öffentlichkeit zugänglich.

In der Mitte gibt es ein Teehaus, in dem man bei einer Tasse Matcha Tee und einem wunderschönen Wagashi (einer japanischen Süßigkeit aus Bohnenpaste) die Aussicht genießen kann.

Tomigaya

Nur einmal um die Ecke von Shibuya und schon steht man in einer ruhigen Wohngegend mit ein paar kleinen Concept Stores und Cafés. Das kleine Viertel liegt direkt neben dem Yoyogi Park und ist einen Spaziergang wert. Man kann links und rechts immer mal in kleine Boutiquen schauen, wie zum Beispiel der Laden von Shibuya Publishing und kommt auch beim Monocle Shop und Headquarter vorbei.

Shibuya

Von Harajuku nach Shibuya erstreckt sich die sogenannte „Cat Street“ – eine niedliche kleine Einkaufsstraße mit internationalen und japanischen Marken, die vor allem im nördlichen Abschnitt in Harajuku zum stöbern einlädt. Harajuku ist vor allem ein Mekka für alle, die auf Second Hand stehen.

Und wer ganz zum Schluss noch mal Lust auf diese spezielle Abgedrehtheit hat, die man in Tokyo finden kann, dem sei ein Besuch der Takeshita Straße ans Herz gelegt. Hier ist alles regenbogen-bunt, süß und verrückt.

Was muss nicht sein?

Ginza & Marunouchi

Die beiden Business-Viertel rund um die Tokyo Station zeichnen sich vor allem durch hohe Häuser und Einkaufszentren aus. Nicht besonders viel Charme und auch nicht so viel spannende Marken, auch wenn es hier eine Statue von Godzilla gibt! Hier finden sich die Flagshipstores von Uniqlo und Muji, aber da kann man auch in Berlin hingehen.

In Marunouchi liegt auch der kaiserliche Palast mit dem umliegenden Garten. Montag und Freitag ist aber alles zu und man kann auch nur einen Teil des Gartens besichtigen. Wenn man auch noch nach Kyoto fährt, lohnt sich der Besuch nicht so richtig.

Im Einkaufszentrum Kitte direkt neben dem Hauptbahnhof, findet man noch ein fragwürdiges „Highlight“ – die Intermediatheque. Für uns der erste Besuch bei einem Tokyoter Museum und leider auch die Quintessenz dafür, warum man sich Museumsbesuche in Tokyo weitestgehend sparen kann. Die Ausstellung speist sich aus den Sammlungsbeständen der Tokyo Universität und ist … also im 19. Jahrhundert hätte man dazu Kuriositätenkabinett gesagt. Bevor es Naturkundemuseen gab, haben Laiensammler mit zu viel Geld und zu viel Zeit weltweit Stücke zusammengetragen, die sie spannend fanden, ohne genau zu verstehen, was sie da haben. Und so stehen dann ausgestopfte Tiere neben „afrikanischen“ Masken neben Saurierskeletten. Was man vermisst: irgendeine Art von wissenschaftlichem Kontext.

Ueno Park und Nationalmuseum

Nicht besser sieht es leider im Nationalmuseum aus. Hier wird japanische Geschichte vor allem in Form von Kunsthandwerk ausgestellt.

Nun sind die Samurai-Rüstungen, Katana-Schwerter und Kimonos schön anzusehen, aber worauf man nicht zu warten braucht, sind geschichtliche Fakten oder gar eine wissenschaftliche Einordnung. Geschichtsaufarbeitung ist Fehlanzeige, und da reden wir noch nicht mal über den 2. Weltkrieg.

Shinjuku

Von allen Vierteln in Tokyo in denen wir waren und in denen es vor allem hoch, laut und grell zugeht, war Shinjuku mit Abstand am unangenehmsten. Nun kam erschwerend auch noch schlechtes Wetter dazu.

Das Ergebnis: man fühlt sich wie in Blade Runner. Hohe Häuser im Nebel, von jeder Anzeigentafel spricht jemand zu einem, zu viele Menschen, zu viele Blinkelichter zu viel von allem. Auch zu viele Einkaufszentren, von denen eins ans andere anschließt. Steht man im 7. Einkaufszentrum mit 12 Stockwerken fragt man sich, wer das anschauen und vor allem kaufen soll.

Wo kann man gut schlemmen?

Wir hatten selten einen Urlaub, bei dem wirklich alles, was wir gegessen haben, so lecker war, wie in Japan. Dabei kann man den ganzen Tag auf kulinarische Reise gehen. Es wird zu den Mahlzeiten eher weniger gegessen, um genügend Platz im Magen für Snacks aller Art zu lassen. Wir haben getestet:

Taiyaki – frischgebackene Waffeln in Fischform gefüllt mit süßer Paste aus roten Bohnen // Takoyaki – gebackene Oktopusbällchen

Karigori – Eissplitter, die mit Sirup übergossen werden

bunte, riesige Zuckerwatte in Harajuku // gefüllte Crepes in Shibuya

Matcha Softeis und Doriyaki – mit Bohnenpaste gefüllte kleine Pfannkuchen // Cronuts in Omotesando

Will man in Japan Essen gehen, muss man sich vorher überlegen, nach was einem der Sinn steht. Es gibt nicht wie bei uns Restaurants wo es von allem etwas gibt, sondern immer nur ein Gericht in wenigen Varianten oder Gerichte aus einer bestimmten Zutat. Der Anspruch dahinter ist, diese eine Sache dann so gut wie möglich zu machen. Auch super für ausländische Touristen: man muss in Japan keine Menüs lesen können. Die Gerichte werden vor dem Restaurant in der Plastikvariante vorgestellt und man weiß ganz genau, was angeboten wird.

Wir haben gegessen:

Ramen bei Afuri

Yakitori – gegrillte Spieße mit Fleisch, Fisch oder Reiskuchen

Sushi am Fließband

Tonkatsu bei im Traditionsrestaurant Maisen – Schweineschnitzel mit Salat, Nudeln und Reis dazu

Chinesisches Essen aller Art, vor allem Tofugerichte

Auch schön in Japan: man hat nie das Gefühl, sich völlig zu überfressen oder besonders ungesund zu essen. Die Speisen sind in der Regel gut ausgewogen und die Portionen angemessen. Und man ist nicht gezwungen, Soft Drinks oder ähnliches zu sich zu nehmen, wenn man keine Lust auf Wasser hat. Wirklich überall, bis hin zum kleinen Kiosk, findet man ungesüßten, puren Tee auf Eis.

Eine Sache fehlt allerdings komplett und das war für uns schon eine Umstellung. Es gibt kein Obst. Obst wird in Japan fast vollständig importiert und ist damit ausgesprochen teuer. Man muss also schon in große Supermärkte oder Fachgeschäfte gehen und dann auch richtig viel Geld bezahlen, um Obst zu kaufen.

Wo gibt es guten Kaffee?

In Japan, vor allem in Tokyo gibt es zwei Arten von Cafés. Kissaten sind die traditionellen Cafés, die sich mit der Öffnung Japans im Zuge der Meiji-Restauration entwickelten und die ihren Kaffee lange Zeit vor allem aus Brasilien bezogen haben und als Filterkaffee zubereiteten.

In den letzten Jahren ist aber auch die Third Wave Kaffeebewegung nicht an Japan vorbeigegangen und es gibt jede Menge Speciality Cafés. Aber für Berliner Zungen sind die Kaffees trotzdem häufig zu dunkel geröstet. Nur weil Flat White auf der Karte steht, bekommt also nicht zwangsläufig ein Getränk, dass einem auch schmeckt. Guten Gewissens empfehlen können wir:

All about life Coffee Kiosk in Shibuya 

Ein kleiner Kiosk mit Filterkaffee und Espresso ohne Sitzplätze oder Speisen.

Fuglen in Asakusa

Ein bisschen Glück gehört immer dazu, und so hat genau zu unserer Ankunft in Tokyo ein neues Fuglen Café in Asakusa aufgemacht. Fuglen kennen wir aus Oslo und haben uns entsprechend gefreut, diese Anlaufstelle für einen hervorragenden Kaffee zu haben. Ein zweites Fuglen Café findet sich auch in Tomigaya.

Coffee Supreme in Tomigaya

Eine charmante Kaffeebar in einer ruhigen Seitenstraße mit süßen Accessoires für den Kaffeeliebhaber.

Deus Ex Machina in Harajuku

Ein Café/Motorradladen mit DJ und Galerie inmitten des entspannten Teils von Harajuku.

Das ist unser Tokyo-Soundtrack

Als Westler/in in Japan ist man ein Alien. Nicht nur versucht man permanent die vielen Verhaltensregeln zu beachten, von denen man vorher gelesen hat, und irgendwie zwischen den Massen von Menschen nicht verloren zu gehen, man ist dabei auch noch größer und breiter als die Mehrheit aller Japaner, Männer wie Frauen. Deshalb: