Berlinale 2014: Filme und Food

Die letzten 2 Wochen war Berlinale und wir haben uns Augen- und Gaumenschmaus abgeholt. 

Die Filme

Zunächst das naheliegende Vergnügen: die Filme. Wir haben uns in diesem Jahr 5 Filme angeschaut, 2 Dokumentationen, 2 Spielfilme und einen Hybridfilm irgendwo dazwischen.

Another World:

Another1Die erste Dokumentation begleitete die Occupy Wallstreet-Bewegung in New York während der Besetzungszeit des Zuccotti-Parks und darüber hinaus. Im Zentrum stehen dabei einzelne Akteure, ihre persönliche Motivation für den Protest, ihre Erfahrungen während des Experiments „direkte Demokratie“ und ihre Wege nach der Räumung des Parks.

Prädikat: sehr sehenswert

Ich habe mich mit der Occupy-Bewegung immer schwer getan, da sie mir wenig lösungsorientiert und sehr fokussiert auf die individuelle Lebenswelt ihrer Aktivisten war. Und obwohl man sich unter dem Slogan „We are the 99%“ als eine Massenbewegung verstand, hat der Film meine Vorbehalte bestätigt. Trotzdem macht die Dokumentation zumindest für mich zum ersten Mal verständlich, worum es den Aktivisten ging und es wird auch klar, woran der Protest letztlich scheiterte.

A long way down:

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Die neuste Verfilmung eines Nick Hornby-Romans feierte auf der Berlinale Weltpremiere. Mit dabei, neben dem Autor auch die Hauptdarsteller Tony Colette, Pierce Brosnan, Aaron Paul und Imogen Poots. Da kommt auch in Berlin gleich „Red Carpet“-Feeling auf.

Prädikat: eine sehr unterhaltsame britische Komödie, die man am besten 10 Minuten vor Schluss ausmacht, um dem sehr sentimentalen Ende zu entgehen. 

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Vier Leute treffen zu Silvester zufällig auf einem Hochhausdach aufeinander, als sie jeweils Selbstmord begehen wollen. Sie schließen einen Pakt, um es bis zum Valentinstag doch noch mal mit dem Leben zu versuchen.

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Die darauf folgenden absurden Situationen und Entwicklungen sorgen für beste Unterhaltung.

 

 

20.000 Days on Earth:

Days2Der Film begleitet Nick Cave an seinem 20.000sten Tag auf der Erde. Dabei tut der Film so, als ob es sich um eine Dokumentation handeln würde, tatsächlich sind die Szenen wie in einem Spielfilm inszeniert. Neben den Bad Seeds (Highlight ist das gemeinsame Aal-Mittagessen zwischen Nick Cave und Warren Ellis – zwei völlig durchgeknallte alte, zottelige Männer) treten auch alte Weggefährten wie Blixa Bargeld und Kylie Minogue auf, um Nick Cave als Gesprächspartner für seine Reflexionen zu dienen.

Prädikat: großartig!

Der Film präsentiert den Künstler Nick Cave, ohne den Mythos um die Kunstfigur durch unnötige Einblicke in sein Privatleben zu zerstören. Im Rahmen einer Theraphiesitzung und einen Besuch in das (nicht reale) Nick Cave-Archiv kommt man seiner Gedankenwelt und seinem künstlerischen Anspruch näher, als in jedem (mir bekannten) Interview zuvor. Darüber hinaus begleitet man die Band bei den Aufnahmen zum letzten Album. Die Songs dabei in einem dunklen Kino mit Surround-Sound zu erleben, ist geradezu episch.

La Belle et la Bete:

Belle1Eine neue französische Verfilmung des Märchens und ein absoluter Gegenentwurf zum gesamten Berlinale-Programm: bunt, laut, voll mit Computer-Animationen, Kostümen und Kitsch – und Vincent Cassel – in meinen Augen nie ein schlechtes Argument.

Prädikat: schön anzuschauendes Blockbusterkino – wenn man das mag

Die Reaktion des Publikums war gemischt. Als Märchen im klassischen Hollywood-Stil zielt der Film aber einfach auch auf andere Zuschauer ab. Es geht nicht um philosophische Fragen, interkulturellen Austausch oder große soziale Probleme, sondern um Magie, Liebe und Action.

Al Midan:

AlMidan2Wir haben die Berlinale mit einer weiteren Dokumentation beendet, diesmal zur Revolution in Ägypten. Es gab einige Parallelen zu Another World, z. B. den Fokus auf einzelne Charaktere und das Storytelling mithilfe von sozialen Medien. Der Film begleitet die Proteste vom Januar 2011 gegen Mubarak bis in den Sommer 2013 gegen Mursi.

Prädikat: sehr informativ und sehenswert

Der Film bemüht sich um verschiedene Perspektiven, nicht nur die, die auf den ersten Blick für das liberale westliche Publikum leicht zu verdauen sind. „Leicht zu verdauen“ ist der Film sowieso nicht, dazu ist er an vielen Stellen sehr nah dran am Geschehen. In beiden Filmen wird aber klar, warum ziviler Ungehorsam wichtig ist, wenn sich irgendwas ändern soll.

Berlinale Impressionen: 

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Das kulinarische Rahmenprogramm

Nun zum zweiten Genussfaktor: das Essen. In den vergangenen Jahren war die kulinarische Versorgungslage am Potsdamer Platz immer eine Katastrophe. Dieses Jahr versorgen die Foodtrucks der Street Food-Köche aus der Kreuzberger Markthalle 9 die hungrigen Filmfans. Wir haben getestet:

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Ramen Nudelsuppe von Mr. Susan

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Pulled Pork Sandwich von Big Stuff Smoked BBQ

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Allgäuer Kässpatzen vom Heißen Hobel Food8

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Prädikat: Lecker-Schmecker!